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Was wäre, wenn? Die 10 Schlüsselmaßnahmen des BMWE im Fokus.
Im September 2025 veröffentlichte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie BMWE die Ergebnisse des Monitoringberichts und definierte 10 Schlüsselmaßnahmen. Wir haben das Papier analysiert und antizipiert, welche Geschäftsmodelle in diesem Szenario an Relevanz gewinnen. Warum?
Weil wir verstehen wollen, welche Auswirkungen die Maßnahmen auf die kaufmännischen IT-Systeme von Energieunternehmen haben können. Neue Geschäftsmodelle und regulatorische Vorgaben werden neue Fähigkeiten in den bisherigen Systemlandschaften erfordern.
Untersuchungsgegenstand
Die zehn Schlüsselmaßnahmen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE), die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche am 15. September 2025 präsentierte, sind das Ergebnis des Monitoringberichts zur Energiewende. Dieser Bericht wurde im Auftrag des Ministeriums von externen Instituten, dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln und der BET Consulting GmbH, erstellt.
Die 10 Maßnahmen sollen in Gesetzesvorhaben überführt und in den kommenden Jahren umgesetzt werden.
Bei der Analyse wurde davon ausgegangen, dass die Maßnahmen in verbindliche Maßnahmen für die Market Player im deutschen Energiemarkt umgesetzt wird. Der Betrachtungsgegenstand liegt dabei auf der Identifikation innovativer Geschäftsmodelle, die
- einen potenziellen Beitrag für die BMWE-Ziele haben
- eine Erweiterung der kaufmännischen IT-Landschaften von Energieversorgern erfordern
Bei der Bewertung wurde insbesondere von SAP dominierten Systemlandschaften ausgegangen, die im Kern ein SAP S/4HANA for Utilities haben oder sich in der Transformation dorthin befinden.
BMWE-Eckpunkte zum Dokument:
Klimaneutral werden – wettbewerbsfähig bleiben
Das übergeordnete Ziel des BMWE ist es Klimaneutralität anzustreben und den Umbau kosteneffizient zu betreiben, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Als Leitbilder für den Umbau des Energiesystems sollen drei Säulen ausbalanciert werden:
- Verlässlichkeit
- Stabilität
- Belastbarkeit
Mit dem Maßnahmenpaket sollen folgende Herausforderungen angegangen werden:
- Hohe Investitionen in
- Infrastruktur,
- Speicher,
- Netzausbau und
- Back-up Kapazitäten
- Hohe laufende Kosten bei
- Netzengpässen (Abregelung, Redispatch)
- Abtransport der Überschüsse ins Ausland
- Auslandsimporte machen heimische Produktionskosten zunehmend unwirtschaftlich (Merrit-Order Effekt)
Dabei sieht das BMWE erhebliche ungenutzte Potenziale bei der Ausnutzung von Flexibilitäten und benennt folgende Bereiche für die Optimierung:
- Digitalisierung (ohne spezifischer darauf einzugehen)
- Ausrollen der Smart Meter (mindestens kostenneutral für den Verbraucher)
- Etablierung der Ausnutzung von Preissignalen
- Bisheriges Förderregime (schafft keine Anreize für Betreiber einen Beitrag an Flexibilitäten zu leisten)
- Internationale europäische Kooperation
In Zukunft sollen folgender Rahmen dazu beitragen die Energiewende auf die nächste Evolutionsstufe zu bringen:
- Klare Leitplanken, statt Detailplanung
- Transparente Fördermechanismen
- Kontrollierbare & degressive Lasten für die öffentliche Hand (15.000 Verordnungen sind kontraproduktiv, sollen vereinfacht werden, wo immer möglich)
- Rückbesinnung auf ökonomische Grundsätze (es fehlen noch volkswirtschaftliche ökonomische Betrachtungen. Diese sollen unmittelbar auf den Monitoringbericht folgen)
Auswirkungen auf die bestehenden Prozesse und Geschäftsmodelle von Energieversorgern verstehen
Mit den neuen Rahmenbedingungen sind die betroffenen Unternehmen angehalten ihre bestehenden Geschäftsmodelle und Prozesse zu überprüfen. Unternehmen, welche die Veränderungen frühzeitig antizipieren, und Handlungsfelder ableiten gewinnen wertvolle Zeit den veränderten Marktangang vorzubereiten und in die Umsetzung zu bringen.
Die 10 Schlüsselmaßnahmen zeigen die Richtung des BMWE deutlich auf. Die Branche ist aufgefordert im Segment der Erneuerbaren erwachsen zu werden und sich vom bisherigen Förderregime schnellstmöglich zu lösen. Es gilt Geschäftsmodelle zu finden, die lokale Gegebenheiten in Betracht zieht und einen signifikanten Beitrag zum Heben der Flexibilitätspotenziale bringen.
Erfolgreiche Marktplayer überzeugen verunsicherte Kunden, indem sie ihnen eine aufzeigen, dass sich der Wandel zu Prosumer und die Elektrifizierung finanziell lohnt, denn erneuerbare haben einen Business Case. Es gilt für die Anbieter das passende Modell für den Kunden zu finden und die Reststromversorgung zu sichern. Diese Transformation wirkt sich nachhaltig auf die IT-Systeme aus.
Viele Unternehmen sind aktuell in der Transformation ihrer Systeme und Prozesse, um insbesondere die Bestandsprozesse zur Kundenverwaltung, Marktkommunikation, Energiedatenmanagement und Abrechnung zu optimieren. Mit diesen Prozessen wird in zunehmendem Maße die Reststromversorgung abgewickelt. Gleichzeitig müssen die Systeme für zukünftige Prozesse ertüchtigt werden. Es bedarf neuer Fähigkeiten und Prozesse, um die Systemlandschaft zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
Wir haben die 10 Schlüsselmaßnahmen des BMWE umfassend analysiert und für jede Maßnahme analysiert welche Fähigkeiten die Systeme hinzugewinnen müssen, um die Prozesse effizient abzuwickeln und damit zukunftsfähig zu bleiben. Es wird zunehmen wichtig sein, die nahtlose Weiterentwicklung der Unternehmensabläufe bereits in den aktuellen Transformationsprojekte zu kennen, in das Projektportfolio aufzunehmen und eine Umsetzungsroadmap abzuleiten.
Um diese Aufgabe schnell und pragmatisch umzusetzen, haben wir ein Quick Assessment entwickelt, das den Unternehmen hilft wichtige Weichenstellungen frühzeitig zu erkennen und geeignete Handlungsfelder abzuleiten.
Die 10 BMWE Schlüsselmaßnahmen und
welche neuen Geschäftsfelder für Energieversorger entstehen
Nachfolgend werden alle 10 Schlüsselmaßnahmen aufgeführt und die damit verbundenen Ziele des BMWE zusammengefasst. Von den formulierten Zielen werden neue Geschäftsmodelle abgeleitet. Diese Geschäftmodelle sind die Grundlage für die Ableitung von notwendigen Erweiterungsbedarfen der kaufmännischen Systemen. Die Betrachtung fokussiert auf den IT-Teil von Energieversorgern bis zur Schnittstelle der OT-Komponenten (z.B. HEMS – Home Energy Management Systeme), welche direkte Steuerungsfunktionen von Assets übernehmen.
- Bedarfsermittlung und Planungsrealismus
Ziel des BMWE
- Zubau beschränken auf tatsächlichen Bedarf und ökonomisch Effizienz
- Ineffiziente Überkapazitäten (auch lokal) vermeiden
Welche neuen Geschäftsmodelle mit Relevanz auf die kaufmännischen Systeme unterstützen die BMWE-Ziele:
- Energiegemeinschaften bündeln Bedarfe lokal und verbrauchsorientiert und zahlen hierdurch ideal auf die formulierten Ziele des BMWE ein. Investitionen werden aus dem Gewerbe und Haushaltskunden getätigt und reduzieren die Notwendigkeit von Investitionen aus öffentlicher Hand.
- Das Angebot von dynamischen Tarifen stimulieren Verbrauch oder Einsparung und tragen zur Netzbalance bei. Eine Lokalisierung der dynamischen Tarife unterstützt den ökonomischen Netzbetrieb.
- Schlüsselmaßnahme 2: Erneuerbare Energie markt- und systemdienlich fördern
Ziel des BMWE
- Das künftige Förderregime erfolgt system- und marktorientiert.
- Differenzierte Finanzierungsmodelle wie Contracts of Difference & Clawback Mechanismen werden entwickelt und umgesetzt.
- Verpflichtung zur Direktvermarktung. Langfristige PPAs mindern Investitionsrisiken
Welche neuen Geschäftsmodelle mit Relevanz auf die kaufmännischen Systeme unterstützen die BMWE-Ziele:
- Es gilt (idealerweise) vor dem Neubau Abnahmeverpflichtungen mit Verbrauchen zu fixieren und langfristige PPAs zu etablieren. Die Wachstumsraten von green PPAs werden weiterhin steigen.
- Energiegemeinschaften decken die Forderung des BMWE vollständig ab. Serviceprovider entwickeln Gemeinschaften, installieren passgenau Anlagen und betreiben die Assets mit dem Ziel die erzeugte Energie vollständig in den lokalen Eigenverbrauch abzugeben im Auftrag der Gemeinschaft.
- Die Reststromversorgung bei Unterdeckung und die Behandlung von etwaigen Überschüssen wird durch den Service Provider abgedeckt anhand PPA+/-. Hier können CFDs oder Clawbackmechanismen genutzt werden, um das Risikomangement zu unterstützen.
- Schlüsselmaßnahme: Netze, erneuerbare Energien und dezentrale Flexibilität synchron ausbauen
Ziel des BMWE
- Ausbauziel 80% Erneuerbare in 2030 bleibt bestehen.
- Aufbau steuerungsmaßnahmen zur räumlichen Steuerung des Ausbaus von Einspeiseanlagen und Speicher, um Netzausbau bedarfsgerecht zu optimieren.
- Alle Hebel nutzen, um Erzeugungsspitzen abzufangen.
- Kapazitätsbasierte Netzentgelte regional differenzierte Baukostenzuschüsse. -> lokale Incentivierung bzw. erhöhte Kosten gemäß Netzsituation.
Welche neuen Geschäftsmodelle mit Relevanz auf die kaufmännischen Systeme unterstützen die BMWE-Ziele:
- Energiegemeinschaften ermöglichen durch das Zusammenbringen verschiedener Verbrauchsprofile (Mittelstand/Haushalte) einen netzfreundlichen Zubau von Erzeugungskapazitäten und Speicher.
- Lokale dynamische Tarife fördern den Ausgleich von Erzeugung und Speicher.
- Preis-Steuersignale an HEMS & Ladesäulen
- Ablaufoptimierung von Netzanfragen hin zur automatisierten Bearbeitung unterstützen Entscheidungsfindung zum Ausbau.
- Technologieoffenen Kapazitätsmarkt schnell implementieren
Ziel des BMWE
- Versorgungssicherheit gewährleisten.
- Optimierung der Anreize für kosteneffiziente Bereitstellung gesicherter Leistung.
- Einführung des technologieoffenen Kapazitätsmarktes bis 2027 um Investitions- und Planungssicherheit zu garantieren.
- Zubau von neuen Gaskraftwerken.
Welche neuen Geschäftsmodelle mit Relevanz auf die kaufmännischen Systeme unterstützen die BMWE-Ziele:
- Teilnahme Endverbraucher, Energiegemeinschaften und virtuelle Kraftwerke am technologieoffenen Kapazitätsmarkt senkt volkswirtschaftlich Investitionskosten & reduziert die Betriebskosten, sofern den Vorgabe-Kriterien entsprochen wird.
- Flexibilität und Digitalisierung des Stromsystems voranbringen
Ziel des BMWE
- Effizienzsteigerung durch Nachfrageflexibilität und Digitalisierung
- Synchronisierung des Netz-, neue Energien-, Speicher- und Elektrolyseurzubaus
- Integration von Preissignalen, Lastmanagement, Batterien und weitere Flexibilitätstools in Stromtarife und Netzentgelte.
- Ambitionierter, beschleunigter Rollout von Smart Meter – mindestens kostenneutral für Verbraucher
- Steuerung von Echtzeit-Analysen und Home-Energie-Management-Systemen
- Heben von lokalen und dezentralen Flexibilitäten durch Aggregator Modelle und regulatorische Änderungen.
Welche neuen Geschäftsmodelle mit Relevanz auf die kaufmännischen Systeme unterstützen die BMWE-Ziele:
- Regionale dynamische Tarife und Push von Preissignalen an HEMS fördern das Heben von Flexibiltätspotenzialen.
- Der proaktive Aufbau von Energiegemeinschaften unterstützen alle BMWE Ziele. Sie aggregieren Erzeugungs-, Verbrauchs- und Speicherkapazitäten und können durch aktive Steuerung durch aktive Preise erheblich zum Heben Flexibilitätspotenzialen beitragen.
- PPAs mit integrieren Energiemangement-Agreements können einen erheblichen Beitrag zur Flexibilisierung des Energieverbrauchs beitragen. Vollautomatisierte Betriebsstätten ermöglichen zudem die Produktion zu wettbewerbsfähigen Energiekosten.
- Angebot für beschleunigte Smart Meter Rollout Services für kleine und mittlere VNB
- Einheitliche und liquide Energiemärkte erhalten und ausbauen
Ziel des BMWE
- Einheitliche Stromgebotszonen erhalten
- Freie Märkte für Strom, Gas, Wasserstoff und CO2 schaffen – Vermeidung von überzogenen Eingriffen in Preisbildung und Angebotsstrukturen
- Liquidität und Preisspitzen stützen, um Ausbau von Flexibilität gezielt zu fördern
- Erhöhung der Effizienz des Netzengpassmanagements
Welche neuen Geschäftsmodelle mit Relevanz auf die kaufmännischen Systeme unterstützen die BMWE-Ziele:
- PPAs mit integrieren Energiemangement-Agreements stärken Handelsmargen und fördern Investments in Speicherkapazitäten & innovative Erzeugungskapazitäten für die Phasen mit Preisspitzen
- Energiegemeinschaften die Industrie- und Haushaltsprofile kombinieren, sowie Aggregationsmodelle (VPP) stützen Handelsaktivitäten und tragen zur Optimierung der Margen bei, um attraktive Restromversorgungsangebote für die Verbraucher anbieten zu können.
- Förderregime überprüfen, Subventionen systematisch senken
Ziel des BMWE
- Strompreise an Marktmechanismen orientieren – europäischer Emmisionshandel (ETS) übernimmt führende Rolle
- Unterstützung gezielt auf energieintensive Unternehmen, Forschung und Innovationen ausrichten
- Realistische Lösung für Industrie, um internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten
Welche neuen Geschäftsmodelle mit Relevanz auf die kaufmännischen Systeme unterstützen die BMWE-Ziele:
- PPAs mit integrieren Energiemangement-Agreements können einen erheblichen Beitrag zur Flexibilisierung des Energieverbrauchs beitragen. Vollautomatisierte Betriebsstätten ermöglichen zudem die Produktion zu wettbewerbsfähigen Energiekosten.
- Energiegemeinschaften die Industrie- und Haushaltsprofile kombinieren können die Energiebezugskosten erheblich reduzieren und bieten Industriekunden lukrative Investitionsmodelle, welche die ETS Bewertung signifikant verbessern können.
- Forschung zukunftsgerichtet vorantreiben, Innovationen fördern
Ziel des BMWE
- F&E um technologische Entwicklung & wirtschaftliche Skalierungspotenziale erschließen
- Innovationen in Digitalisierung, KI, sowie die weitere Elektrifizierung von Sektoren der Wertschöpfungskette fördern.
- Technologien wie Tiefengeothermie, Fusion, Wasserstoff, CCS & CCU erschließen, um Kosteneffizienz zu fördern
- Ausreichend Energetische Kapazität für Rechenzentren bereitstellen
Welche neuen Geschäftsmodelle mit Relevanz auf die kaufmännischen Systeme unterstützen die BMWE-Ziele:
- Energiegemeinschaften die Rechenzentren, Industrie und Haushalte lokal zu kombinieren, bieten großes Potential über Nahwärmekonzepte Wärme und Kälte für Gebäude und Prozesse bereitzustellen und den Netzausbaubedarf wirtschaftlich zu optimieren. Sie tragen zudem dazu bei wirtschaftliche Skalierungspotenziale zu erschließen.
- Der digitale Berater versorgt Verbraucher und Marktteilnehmer mit entscheidungsrelevanten Informationen und lernt personalisierte Entscheidungsvorlagen gezielt aufzubereiten und in einem weiteren Schritt zu automatisieren. Innovationen werden hierdurch schnell adaptiert, skaliert und wirtschaftlich betrieben.
- Wasserstoff-Hochlauf pragmatisch fördern, überkomplexe Vorgaben abbauen
Ziel des BMWE
- Hochlaufphase auf Märkte fokussieren, bei denen Zahlungsbereitschaft vorhanden ist
- Nachfrage bedienen mit finanziell und administrativ verantwortbarem Aufwand
- Stufenweise Entwicklung des Wasserstoffkernnetzes und Importkorridore in Abstimmung mit Maßnahmen auf Nachfrageseite
- Infrastrukturprojekte werden unmittelbar nach Bedarf gestartet
Welche neuen Geschäftsmodelle mit Relevanz auf die kaufmännischen Systeme unterstützen die BMWE-Ziele:
- Es gilt im ersten Schritt die Nachfrageseite für Wasserstoffprojekte zu entwickeln und im zweiten Schritt die Versorgung zu planen. Als Zielgruppen bieten sich energieintensive Industrien und Energiegemeinschaften an. Je mehr Kombinationen aus Verbraucher, regenerativer Erzeugung und Produktion von Wasserstoff zur Deckung von Unterdeckungen. Nah- und Prozesswärme erhöhen den Wirtschaftlichkeitsgrad.
- Carbon Capture, Utilisation and Storage (CCS/CCU) als Klimaschutztechnologie etablieren
Ziel des BMWE
- Etablierung CCS/CCU als Klimaschutztechnologie
Welche neuen Geschäftsmodelle mit Relevanz auf die kaufmännischen Systeme unterstützen die BMWE-Ziele:
Die Einführung von CCS/CCU zeigt keine neuen Geschäftsmodelle, die relevant für die Ausprägung neuer Fähigkeiten in den kaufmännischen Systemen sind.